Dilemma? Nein, oder…?

http://de.wikipedia.org/wiki/Euthyphron-Dilemma

Kurz gefasst: „Wird das moralisch Gute deswegen von Gott befohlen, weil es das moralisch Gute ist, oder ist es deswegen moralisch gut, weil es von Gott befohlen wird?“

Wäre es nur deswegen das moralisch Gute, weil es von Gott (oder hier wahlweise "beliebige übergeordnete Instanz" einsetzen) befohlen wird, sollte der Teil der Menschheit, der so an Gott glaubt, dass er die aufgestellten Regeln für sich als verbindlich ansieht, darum beten, dass Gott nicht eines Tages seine Befehle umwirft. Die Macht dazu hätte er.

Wenn aber der erste Teil zutrifft, dass Gott deswegen etwas befielt, weil es das moralisch Gute ist, dann steht dieses moralisch Gute als Idee noch über Gott, da diese Idee von ihm unabhängig ist.

Dann bräuchte man aber Gott auch nicht mehr wirklich, weil ein Ideen-Konstrukt "Das moralisch Gute" als Leitfaden für das eigene Leben völlig ausreichen würde.

An diesem Punkt könnte man die Frage stellen, woher denn diese Idee kommt, wenn sie unabhängig von Gott ist?

Vielleicht kommt sie dennoch von Gott. Denn wenn der als allmächtige Gott Bezeichnete das Universum geschaffen hat und alles, was darin ist, dann auch diese Idee des "Moralisch Guten".

"Du sollst nicht töten." Wäre dann nicht nur eins der zehn Gebote, sondern ein in Worte gegossenes universelles Prinzip, dass dem intelligenten Leben an sich innewohnt.

Evolutionsbiologisch gesehen ein Sonderkonstrukt, denn in der gesamten Tierwelt stellt sich die Frage nach Töten und getötet werden eher nicht.

Moralisch zu handeln vermag erst der Homo Sapiens (und der auch leider viel zu oft nicht).

Könnte Gott also irgendwann beschließen, dass er das Gebot ersetzt durch "Du darfst töten" bzw. er es schlicht aus den 10 Geboten streicht?

Theoretisch ja, schließlich ist er allmächtig.

Praktisch? Ich denke nicht, denn er hat das Universum und alles darin nun mal so erschaffen, wie er es getan hat (wenn man den Schöpfungsgedanken mal als gegeben hinnimmt) und anders als ein Wissenschaftler, der seine liebevoll gehegte Züchtung in einer Petri-Schale irgendwann mit Schwefelsäure übergießt, nur um zu sehen, was passiert, ist der allmächtige Universum-erschaffende Gott an so etwas nicht interessiert.

Warum nicht?

Weil er einfach so viele Stufen auf der moralischen Leiter über uns steht, dass wir ihn auch mit den stärksten Teleskopen nicht darauf sehen könnten.

Er benötigt schlicht keine Eigenschaft, die wir als menschlich fehlerhaft oder moralisch fragwürdig bezeichnen würden. Er ist in allem so weit voraus und über uns, dass er das nicht braucht.

Niemand kann ihn angreifen, niemand beleidigen, niemand kann ihm wehtun, etwas wegnehmen. Er ist von niemandes Liebe abhängig und muss auch keine Minderwertigkeitskomplexe kompensieren, in dem er Schwächere ausnutzt oder drangsaliert.

Man kann ihn, seine Motivation und Gedanken schlicht nicht mit menschlichen Moralbegriffen beschreiben, weil er so weit darüber steht.

Der Gedanke mag beängstigend wirken, denn ein Wesen, das sich unseren Moralbegriffen entzieht, ist durch den Menschen nicht bewertbar, messbar und auch nicht einzuordnen. Er passt buchstäblich in keine Schublade.

Mich beruhigt dieses Bild eines Gottes. Das wäre ein Wesen, dessen Beispiel ich folgen könnte. Denn hier bietet sich die Gelegenheit, ein eigenes Wertesystem zu entwickeln, da viele Wege zu einem Zustand der selbstgewählten positiven Moral führen.

Ich muss kein Christ sein, um moralisch zu handeln. Ich handle aber nicht schon deswegen moralisch, weil ich ein Christ bin.

Das Christentum bietet, wie die meisten anderen Religionen, einen Handlungsleitfaden für moralisches Handeln. Eine Religion versucht, die universellen moralischen Prinzipien in für den menschlichen Geist verständliche Begriffe, Leitfäden und Handlungsmaximen zu transformieren.

Moralisch handeln muss aber jeder Mensch selbst. Er kann sich dafür oder dagegen entscheiden.

Dies kann ihm keine Religion abnehmen.

Man kann sich aber auch ohne religiösen und / oder kirchlichen Überbau für ein derartiges Leben entscheiden.

Sei deines Willens Herr und deines Gewissens Knecht.

Marie von Ebner-Eschenbach

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